Ulrich Bräker

Ulrich Bräker

Ulrich Bräker wurde am 22. Dezember 1735 als ältestes Kind armer Bauern im sanktgallischen Wattwil geboren. Für den Schulbesuch blieb neben der Arbeit nur wenig Zeit. 1755 verliess Bräker sein Elternhaus und wurde preussischer Söldner. Er desertierte jedoch im Siebenjährigen Krieg und kehrte in seinen Heimatort zurück. 1759 zog er einen kleinen Baumwollhandel auf, der jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte. Auch Bräkers Ehe war nicht glücklich, kam hinzu, dass er sich nach dem Tod des Vaters auch noch um die Ernährung von vier Geschwistern kümmern musste. Es blieb die Flucht ins Lesen und später auch Schreiben, welche trotz vielen familiären Sorgen, durch die Aufnahme in die Moralische Gesellschaft Lichtensteig im Jahr 1776 neue Perspektiven bot. Bräker hatte fortan Zugang zu weltlichen Büchern und tauschte sich mit gebildeten Männern aus. Seine Lebensgeschichte wurde mit grossem Erfolg in den 1780er Jahren als Buch herausgegeben. Der Arme Mann im Tockenburg gilt als bedeutendes Zeugnis der ländlichen Kultur und der sozialen Unterschicht im 18. Jahrhundert. Ein zweiter Band mit Tagebuchauszügen war jedoch weit weniger erfolgreich. Bräker konnte seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht mit dem Schreiben überwinden und musste in seinem Todesjahr den Bankrott erklären. Er starb am 11. September 1798 in Wattwil.

Bibliografia scelta

Ein wort der vermahnung, An mich und die Meinigen Dass nichts besers sey den Gott förchten zu allezeiten. 1768-1771
Raissonierendes Baurengespräch über das Bücherlesen. 1777 [Räisonierendes Baurengespräch über das Bücherlesen und den üsserlichen Gottesdienst. St. Gallen, Erker, 1985]
Vermischte Lieder vor den Land-Mann. 1779
Etwas über William Shakespeares Schauspiele. 1780
Die Gerichtsnacht oder Was ihr wollt. Theaterstück. 1780 [St. Gallen, Erker, 1987]
Lebensgeschichte und Natürliche Ebentheuer des Armen Mannes im Tockenburg. 1788 | Zürich, Orell, Gessner, Füssli und Compagnie, 1789 [Zürich, Diogenes, 1978 | Stuttgart, Ph. Reclam jun., 1981]
Tagebücher, darin: Jauss, der Libens Ritter. Romanfragment. 1789/90
Tagebücher und Wanderberichte; Der grosse Lavater; Gespräch im Reiche der Toten; Etwas über William Shakespeares Schauspiele. Zürich, Ex Libris, 1978 | Zürich, Diogenes, 1978

Sämtliche Schriften (5 Bände):
Tagebücher, 1768-1778. München, C.H. Beck/Bern, P. Haupt, 1998
Tagebücher, 1779-1788. München, C.H. Beck/Bern, P. Haupt, 1998
Tagebücher, 1789-1798. München, C.H. Beck/Bern, P. Haupt, 1998
Lebensgeschichte und vermischte Schriften. München, C.H. Beck/Bern, P. Haupt, 2000
Kommentar und Register. München, C.H. Beck/Bern, P. Haupt, 2010

Ausgewählte Übersetzungen:
Le pauvre homme du Toggenbourg. Traduction de Caty Koenz Dentan. Lausanne, L'Aire, 1978
Histoire de la vie et aventures naturelles de l'homme pauvre du Toggenburg. Traduction de François Colson. Paris, Les Belles Lettres, 2016
Il poveruomo del Tockenburg. Palermo, Sellerio, 1989
Vita di un poveruomo. A cura di Mattia Mantovani. Locarno, A. Dadò, 2010