Leonor Gnos, nata nel 1938 ad Amsteg, UR, pubblica testi di poesia e prosa. Dopo aver completato un apprendistato commerciale, ha imparato diverse lingue europee e ha trascorso un periodo in Inghilterra, Italia, Spagna e Grecia. Ha ottenuto il diploma di insegnante e ha insegnato tedesco a Parigi dal 1988 al 2009. All'età di cinquant'anni inizia a scrivere di letteratura e negli anni successivi pubblica numerosi volumi di poesia. Amante delle città vivaci, vive a Marsiglia dal 2010. Lì è membro del circolo di poesia “Le Scriptorium”.
Bibliografia
Längst hat die Frau, aufgewachsen am Fuß des Bristenstocks, das Reusstal verlassen, getrieben von der Lust auf Neues, jenseits der Grenzen. Sie geht durch fremde Straßen, lässt sich von Geräuschen und Gerüchen einfangen, sieht in unbekannte Gesichter, ahnt Freude und Schmerz, erkennt die Zeichen von Flucht und Zerstörung. Aufmerksam ist sie, reagiert sensibel auf die Flut von Eindrücken, äußert ihren Unmut über Ungerechtigkeiten. Leonor Gnos, die zwar eine Fremde in der Fremde ist, aber sich trotzdem mitten in der Großstadt nicht allein fühlt, hat ihre Heimat in der Sprache gefunden. Und damit eine große Liebe. Zärtlich nähert sie sich der Fragilität der Worte an, tastet sie ab, befühlt ihren Kern. Mit den Mitteln der Sprache lassen sich Natur und Urbanes verschwistern, Räume und Zeiten zum erhellenden Nebeneinander fügen, sodass der Föhn mit dem Mistral ein Bündnis eingeht und das Meeresrauschen an die ungebärdige Reuss denken lässt. Hier wie dort, am kleinen Urner Himmel und am weiten des Midi, ziehen die Wolken dahin, für das Kind damals die stummen Träger der Sehnsucht. Heute folgt die Dichterin den Erinnerungsspuren, kehrt auf die Wege des Dorfes zurück, weckt das Gedächtnis an die Toten auf, die Eltern, die Freundin. Doch lastet keine Schwere auf den Zeilen, vielmehr betört Leonor Gnos mit der zauberhaften Leichtigkeit ihrer Bilder. Und schaut man genauer hin, regt sich in diesen Texten noch immer die Widerstandskraft eines Bergkinds.