Mariella Mehr, di etnia jenisch, è nata a Zurigo nel 1947. Piccolissima, fu sottratta alla famiglia in nome del famigerato programma «Kinder der Landstrasse» («figli della strada»). Dal 1974 ha scritto molti articoli di denuncia, e ha pubblicato diversi romanzi e libri di poesia; nel 2012 ha ottenuto il premio Pro Litteris per l'insieme dell'opera. Dal 1996 vive prevalentemente in Toscana, nel 2014 torna in Svizzera. E mancata il 5 settembre 2022 a Zurigo.
Bibliografia
«Sehr geehrte Damen und Herren, vor Ihnen steht eine ‹verstimmbare, haltlose, geltungsbedürftige und moralisch schwachsinnige Psychopathin mit neurotischen Zügen und einem starken Hang zur Selbstüberschätzung, was ihr Wunsch, Schriftstellerin zu werden, beweist. In Erwägung ihrer hereditären Belastung – die Probandin gehört zur dritten Generation einer degenerierten Vagantenfamilie – kann eine dauernde Einweisung in eine Psychiatrische Klinik nicht ausgeschlossen werden›.» Mit diesem Zitat aus einem psychiatrischen Gutachten über sich beginnt Mariella Mehrs Rede anlässlich der Ehrendoktorwürde der Universität Basel. Sie erzählt von ihren Gutachtern, einem, der nur so lange Schach mit ihr spielte, wie er gewann, oder einem, der seine Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Sie erzählt von ihren Akten, die noch immer herumgereicht werden, auch privat, und sie fragt, was mit diesen Akten geschehen wird, wenn die Menschenverachtung mal wieder Oberhand gewinnt. Und sie appelliert an die Wissenschaft, Verantwortung zu übernehmen für ihre Begriffe, mit denen sie Menschen bezeichnet und zeichnet fürs Leben.