Am Fenster
Roman

Nota critica

Als «Roman» bietet der Verlag diesen neuen Text von Theater- und Filmregisseur Luc Bondy an, in dem Buch Am Fenster selbst ist etwa von «Bruchstücken» oder, in der dem Autor eigenen Selbstironie, von «Anekdoten» die Rede. Wie bereits 2005 in seinen Prosaminiaturen und Dialogen Meine Dibbuks besticht der Schriftsteller Bondy durch sein Gespür für Form und Gestaltung, bei gleichzeitiger improvisatorischer Leichtfüssigkeit. Am Fenster folgt einer mäandernden Bewegung des autobiografischen Erinnerns, Ausholens und Zurückholens. Am Fenster steht der Ich-Erzähler, sein Rückgrat chirurgisch mit einer Eisenstange stabilisiert, und schaut auf die Stadt; es ist ein zerstreutes Hinausschauen des rund sechzigjährigen Protagonisten Donatey und gerät ihm vielmehr zu einem inneren Sehen. Er sorgt sich, seine junge Freundin Seraphine zu verlieren, erzählt von der Verfolgung und Vertreibung seiner jüdischen Eltern aus Deutschland und vom Schweigen der Opfer. Wenn er am Ende die Theaterlichter löscht, hat sich aus den einmal beschwingt, dann wieder melancholisch dargebotenen, scheinbar zufällig-assoziativ verbundenen Episoden eine berührende Hommage ans Leben und die Kunst herauskristallisiert. (Bettina Spoerri)