Lichtung, Strand
Gedichte aus 35 Jahren

Hansjörg Schertenleibs Gedichte machen sich ohne viel Gepäck auf den Weg und erzählen von den großen Fragen, während sie das Kleine ins Visier nehmen. Sie öffnen poetische Räume und knüpfen Bezüge, um sie im nächsten Vers wieder zu lösen. Direkt, frisch und erfüllt vom Pulsschlag individuellen Erlebens ruft diese bildmächtige Lyrik Orte, Begegnungen und Gefühle auf, packt durch ausgeprägt poetischen Rhythmus, überführt Gewöhnliches in Ungewöhnliches und verzaubert damit den Alltag. Schertenleibs Zeilen führen an die Ränder der Welt, in Natur und menschenferne Wildnis, sie machen die Landschaft zum Resonanzraum für Reflexion wie Erinnerung und kommen letztlich im Innersten an, nämlich bei der Begegnung zwischen Menschen.

Der vorliegende Band Lichtung, Strand versammelt neben ausgewählten Gedichten aus den vergriffenen Sammlungen Der stumme Gast und November.Rost neue unveröffentlichte Gedichte und bietet so die Gelegenheit, Schertenleibs lyrisches Werk aus 35 Jahren kennenzulernen.

(Buchpräsentation edition bücherlese)

Nota critica

In maximaler Verdichtung skizziert Schertenleib in seinen kurzen Gedichten Momente der Reflexion und der scharfsinnigen Beobachtung. Oft in zyklischer Form strukturiert, führen seine Verse den Leser zurück ans Anfangsbild, das so am Ende in neuem Licht scheint. Schertenleibs Gedichte sind anspruchsvoll, teilweise geradezu verrätselt. Er pflegt einen rhythmischen, ruhigen Gesprächston, der mit der inhaltlichen Komplexität und formalen Raffinesse seiner Gedichte kontrastiert. Der Band Lichtung, Strand vereint eine Auswahl von Gedichten aus seinen vergriffenen Bänden Der Stumme Gast (1989) und November. Rost (1997) und fügt einige bisher unveröffentlichte Gedichte hinzu. (Florian Bissig)