Die verschobene Stadt
Roman

Felix Degalier, ein etwas nachlässiger junger Mann, zieht zu seiner Mutter nach Lausanne um. Sie ist schon länger krank, und Felix würde ihr gern helfen. Er lernt von neuem Französisch und beginnt ein Medizinstudium. Zusammen mit seinem Jugendfreund vermietet er nach dem Tod der Mutter ihre herrschaftliche Wohnung an ein Anwaltspaar, das in ihm den idealen Betreuer für ihr kränkliches Kind sieht. Genau jetzt meldet sich auch Helena, eine fast schon vergessene Bekanntschaft, wieder bei ihm. Sie hält Felix einen Vortrag über „moderne Mythologie“. Zuerst kann er wenig damit anfangen. Doch bei seinen Irrungen durch die Stadt am Lac Léman, in der man den See meist nur in kleinen, zufälligen Ausschnitten erblickt, begleiten ihn Helenas Worte noch lange. Als er allein in Lausanne zurückbleibt, scheint diese Stadt der Verschiebungen zu erstarren. Doch dann trifft Felix seine frühere Kommilitonin Geneviève wieder, die Unzufriedene, die auf einmal so seltsam anspruchslos wirkt…
Christian Zehnders Roman ist eine kleine poetische Odyssee, die von Begegnungen, verschachtelten Architekturen und Missverständnissen handelt – in einer geheimnisvollen Stadt – und Seelandschaft der Gegenwart. Fast beiläufig erzählt, erschließt der Roman dem Leser eine neue Welt.

(Buchpräsentation Otto Müller Verlag)

Rassegna stampa

Die spärliche Handlung, die sich in sprunghaften, unwirklichen Szenen entfaltet, dient in Zehnders Roman aber eher als Hintergrundkulisse. In Wahrheit ist es nämlich die Sprache, die hier im Mittelpunkt steht, eine verklärte und doch präzise formulierende Stimme, die sich weitestgehend dem modernen Zeitgeist entzieht - dann zum Beispiel, wenn nicht Handys, sondern Telephone gezückt werden, natürlich geschrieben mit "ph". Das mag man für gekünstelt halten, und im Fall der vielen Briefe, die da absenderlos und mit königsblauer Tinte geschrieben kursieren, muss man das sogar. Am Ende ist es aber der Versuch, das Klassische im Modernen wiederzufinden. (Anja Dolatta, in Ndr.de)