Das a das b schrieb
88 lyrische Texte

(Buchpräsentation Wolfbach - Die Reihe)

Recensione

di Beat Mazenauer
Inserito il 26.11.2020

«chuim uf em blatt / blinzled s schon / uber e sazrand / i d wiiti» beschreibt Hanspeter Müller-Drossaart ein neu geschlüpftes dichterisches Wort. Es ist zufällig wieder erkennbar in Mara Kempters Gedichtband das a das b schrieb.
Auch bei dieser Dichterin gibt es ein «Zwischen den Worten». Das Gegenüber ist indes nicht ein anderes Idiom, sondern der Raum, die Leere, die Wortstille. Die Dichterin und Künstlerin hat in den letzten fünfzehn Jahren eine lyrische Form entwickelt, die Sprache im Raum des Papiers inszeniert. Auf den obigen Vers von Hanspeter Müller-Drossaart antwortet sie:

Mara Kempter formuliert kleine Beobachtungen, Gedanken übers Schreiben, Wortspiele und verleiht ihnen eine Form, die so bezwingend wie subtil und leise ist. Als ein Motto könnte beispielsweise gelten:

Oder:

Es sind filigrane sprachliche Bewegungen, die sie vollzieht und formal ins Bild setzt. Manchmal fällt ihr Witz spontan ins Auge, manchmal behält die knappe Diktion ihr Rätsel für sich und fordert eine zweite, dritte … Lektüre. Auffällig ist nebst dem Lautmalerischen der Hang zum Doppeldeutigen, der ein Wort wie das obige «Satz» gerne von zwei Seiten belichtet und es auf unverhoffte Weise ernst nimmt – ganz entgegen dem üblichen Gebrauch. Ja: «wer sagt denn dass mein schatten nicht mein engel sei».

In: «Hin und her zwischen den Sprachen», ein Fokus von Beat Mazenazer, www.viceversaliteratur.ch, 01.02.2021