Der Angler des Zufalls Schreibszenen
«Christophs Geisers Literatur ist immer auch Literatur über das Schreiben», hält der Herausgeber Michael Schläfli in seinem Nachwort fest. Nicht nur Geisers Essays, sondern auch die fiktionalen Werke reflektieren künstlerische Prozesse und thematisieren ihre eigene Entstehung. Dieses Ineinandergreifen von Narration und metafiktionaler Selbstbeobachtung, die Schilderung der eigenen Schreibprozesse bezeichnet man in der Literaturwissenschaft als «Schreibszene». Der Band präsentiert anlässlich des 60. Geburtstags von Christoph Geiser eine ganze Sammlung davon. Es sind kürzere Texte, Essays und Reden in chronologischer Ordnung, die sein Werk sprachmächtig umspielen und Geisers künstlerische Haltung zum Ausdruck bringen: seine Sprachskepsis, den antibürgerlichen Impetus, die Enttäuschung über die schwindende gesellschaftspolitische Relevanz von Literatur. Prototypisch dafür ist der Kürzesttext «Der Angler des Zufalls», der dem Band seinen Titel gegeben hat: Hier hangelt sich der Schreiber einer Wortkaskade entlang auf der Suche nach dem Einfall, dem richtigen Thema, einem Schreibanfang – und verwirft zum Schluss alles. (Christa Baumberger)