Ben Kader
Roman

Nota critica

Dan Kader versteht es, alles zu verdrängen, was ihm Probleme bereiten könnte: die Geheimnisse seines Vaters Ben Kader, eines bekannten Orientalisten, die Esoterik seiner Mutter, die mit ihrem zweiten Mann ein neues Leben in Südfrankreich begonnen hat, die Abenteuer seines Bruders Nadir, eines Fotoreporters, und die Risiken, die seine Gefährtin Miriam eingeht, um einen Film über die Abenteurerin Isabelle Erhardt in der Sahara zu drehen. Dan glaubt sich geschützt durch seine Arbeit in einem Betrieb, der sich auf die Auswertung von Informationen spezialisiert hat. Er braucht nicht zu interpretieren oder Stellung zu nehmen, gefragt ist nur die statistische Auswertung von Daten. Doch Dan täuscht sich. Der Hirnschlag seines Vaters, die Distanz Miriams und seine plötzliche Entlassung zwingen ihn, die Augen zu öffnen und die zwiespältige Vergangenheit seines Vaters zur Kenntnis zu nehmen, der in die Folterpraktiken des dreckigen Algerienkriegs Frankreichs verwickelt war. Der Roman steht im Zeichen des 11. Septembers 2001 und zeigt, dass die Rede vom Ende der Geschichte und vom Vorrang des individuellen Heils leeres Geschwätz ist. Ein packender, gut erzählter Roman. (Daniel Rothenbühler)