Vertrauen ist gut
Roman

Nota critica

Jürg Acklin liebt es, wenn es kracht. Kein Roman, in dem nicht eine Pistole ihren würdigen Platz einnähme. Auch im Epizentrum des neuen Romans liegt, versteckt, eine Pistole – doch diesmal kommt sie, anders als sonst, nicht zum Einsatz. Der Autor und Psychoanalytiker, 1945 in Zürich geboren, inszeniert in seinen Romanen Phantasmagorien, die sich dort entzünden, wo die menschlichen Urkonflikte in den Alltag einbrechen. Diesmal verwischen sich die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, als der Ich-Erzähler Felix, der durch eine körperliche Behinderung an den Rollstuhl gefesselt ist, in einem Romanmanuskript seines Bruders die eigene Realität wiedererkennt – so, wie sie unter der scheinbar harmonischen Oberfläche aussieht. Die Ehe des Bruders, so steht es im Manuskript, steuert auf eine Katastrophe zu. Für Felix lassen sich die Ebenen bald nicht mehr trennen, dazu kommen angstbesetzte Erinnerungen an den jähzornigen Vater, die parallel zum Ehedrama des Bruders aus dem Ruder zu laufen drohen. Ein vielschichtiger literarischer Psychothriller, der die Grenzen von Wahrnehmung und Verstand auslotet. (Christine Lötscher)