Im Erlebensfall Versuche und Reden 2002-2013
Kulturelles Gedächtnis und digitale Revolution, das Nachleben mythischer Verstrickungen in Kunst und Zivilisation, menschliche Endlichkeit und Konsumgesellschaft, Europa und das Finanzkapital, und immer wieder: die Grenze als kritische Größe des guten Lebens – das sind Themen von Adolf Muschgs großartigen Vorträgen und Essays, die aus Anlass seines achtzigsten Geburtstages in diesem Band versammelt sind, der mit einer luziden Lektüre des Gemäldes „Die Spinnerinnen“ von Velázquez einsetzt. Das Gemälde thematisiert den Anfang der Webkunst – auch der Verfertigung von Texten. Der rote Faden, der dabei entsteht, führt allerdings nicht aus dem Labyrinth heraus, sondern auf rechte Art hinein. Er lehrt erkennen, dass die Ränder menschlicher Existenz und ihr Zentrum nicht zweierlei sind. Worauf es ankommt, ist die Erfahrung des Wegs.
Diese Essays, die auch eine persönliche Geschichte erzählen, zeigen Muschg als einen Homme de lettres und Intellektuellen europäischen Formats, der Europa als unerledigtes Geschäft betrachtet. Auf der Suche nach tragfähigen Abbildungen menschlicher Realität stößt Muschg immer wieder auf die Kunst: Zu seinen Patronen gehört, nach Goethe, Jacob Burckhardt, der die Geschichte als fortgesetzten Versuch sah, die in jeder menschlichen Gesellschaft angelegten Grundwidersprüche nach dem Vorbild der Kunst zu zivilisieren. Das heißt: Mehrdeutigkeit gelten und walten zu lassen, statt sie, wie das Computermodell, zu minimieren oder, wie das politische Diktat, zu unterdrücken.
(Buchpräsentation C.H.Beck Verlag)
Recente vincitore del Gran Premio svizzero di letteratura 2015, in questa raccolta di «Tentativi e discorsi» degli anni 2002-2013 Muschg si dimostra un maestro nella riflessione critica sulla Svizzera, sull'Europa, sulla cultura e sull'umanità intera, chiamata a rendere vivibile per tutti il proprio mondo. Responsabilità politica e memoria culturale, discorso letterario e attenzione ai cambiamenti della società, tutti questi campi sono per Muschg strettamente connessi. Ciò che conta è per lui «l'esperienza dell'andare». E nelle sue riflessioni dimostra un finissimo fiuto per i conflitti attuali, come dimostra un saggio del 2006 sulla libertà di caricatura. (bm, trad. ec)