Öl
Schauspiel

Nota critica

«Die heilige, ewige Gier nach Geld» ist das Schmieröl im sozialen Getriebe. Herbert Kahmer kennt das genau. Seit Jahren durchstreift er die sibirische Wildnis auf der Jagd nach Öl, mit dem Ziel vor Augen, reich zu werden. Der Ingenieur Edgar Bron begleitet ihn für den hälftigen Anteil am virtuellen Gewinn. In einem öden Kaff am Rand der Tundra wartet derweil Kahmers Frau Eva darauf, dass ihr Mann Erfolg habe. Das Schauspiel Öl von Lukas Bärfuss, dass im September 2009 am Deutschen Theater in Berlin Premiere feierte, inszeniert den höchst brisanten Stoff auf eigenwillige Weise, indem er sich auf die seelische Zerrüttung der Protagonisten konzentriert, allen voran Evas. Sie traktiert ihre Aufwartefrau wie eine boshafte Kolonisatorin, damit sie die Einöde überhaupt aushält. Dennoch schützt sie dies nicht vor bösen Visionen. Im zerhackten Stakkato meist kurzer Sätze demonstriert Bärfuss, was Gier und Ausbeutung anrichten – im Innern. Die Sprache wirkt reduziert aufs Notwendigste, die vielen Fragen bleiben ohne Fragezeichen, als ob es darauf gar keine Antworten gäbe. (Beat Mazenauer)