Über das Wetter reden
Kolumnen 2012-2015

Über das Wetter reden, also über irgendetwas. Verstanden werden, und sei es von einem, der gar nicht meine Sprache spricht. Peter Bichsels Kolumnen kommen mit jedem ins Gespräch, denn seine hohe Kunst des Erzählens beschäftigt sich mit allem Möglichen: Jahreszeit und Wetter, Sport- und politischen Ereignissen – immer aber mit Menschen, mit Geschichten von Fremden und Freunden. Der Erzähler meint und meldet Zweifel an, auch an der eigenen Meinung. Er zielt auf eine Aussage, indem er abkommt vom Weg, hinübergleitet zu einem anderen Gegenstand, abbricht, um in einer Schlussvolte doch wieder anzuknüpfen. Dauernd sind sie in Bewegung, seine Kolumnen, das hält uns wach; wir reagieren angeregt; wir fühlen uns gut unterhalten.
»Wer in hundert Jahren seine Bücher liest, wird ... einem polyphonen Klanggefüge aus tausend namenlosen Stimmen der heutigen Schweiz begegnen. Diese Stimmen flüstern, reden, lärmen, hauchen und brummen durcheinander. Dennoch ist jede einzelne trennscharf zu hören, und hinter ihr erscheint ein lebendiges Menschengesicht.« Peter von Matt

(Buchpräsentation Suhrkamp Verlag)

Nota critica

Seitdem er das Pensionsalter erreicht hat, seit fünfzehn Jahren also, ist das Aufhören ein wiederkehrendes Motiv in Bichsels Kolumnen. Im jüngsten – und wohl tatsächlich letzten – seiner neun Kolumnenbände gewinnt das Aufhören besonderes Gewicht. Bichsel tut sich schwer damit, denn das Erzählen – die Passion seines Lebens – ist «letztlich das Aufbäumen gegen jenes Ende, das uns allen sicher ist.» Erzählen ist Wiederholung, und wiederholt hat sich Bichsel in seinen Kolumnen andauernd. Doch der Zauber seiner Schreibkunst besteht darin, dass wir Lesenden immer wieder etwas Neues vernahmen, während er «immer wieder dieselbe Geschichte» erzählte, wie er sagt, ein Karussell mit dem weissen Elefanten, dessen Wiederkehr zu begrüssen wir nicht aufhören können. (Daniel Rothenbühler)